Das Dorf der Freundschaft ist ein internationales Versöhnungsprojekt. Es wurde durch den ehemaligen US-Soldaten George Mizo initiiert. Es bietet Menschen, die unter den Spätfolgen des Vietnamkrieges leiden – geistig und körperlich behinderten Kindern und Jugendlichen sowie Älteren – Hilfe und Unterstützung.

28.10.

Der Vormittag unseres internationalen Treffens gehört der Darstellung der Arbeit im Dorf der Freundschaft selbst. Viele Repräsentanten der lokalen Behörden und der unterstützenden Organisationen sind der Einladung gefolgt: Vertreter des vietnamesischen Roten Kreuzes, verschiedener Krankenhäuser, von VAVA (Vietnamesische Vereinigung der Opfer von Agent Orange/Dioxin), Freundschaftsorganisationen und internationale Freiwillige sind gekommen.

Ein Rundgang durch das Dorf gibt einen Einblick in die aktuelle Situation: die durch das Hochwasser 2008 am schwersten geschädigten Häuser der Veteranen sind bereits abgerissen, Baufahrzeuge und Bauzäune bestimmen das Bild. Demnächst kann mit dem von der Regierung Vietnams finanzierten Neubau begonnen werden.

 


Das Gelände für die Neubauten ist bereits aufgefüllt

 

Das bisherige Mitarbeitergebäude und das ehemalige Klinikgebäude beherbergen jetzt Veteranen. Als Mitarbeiterspeisesaal wurde ein Teil der Bibliothek abgeteilt. Trotz Baustelle wird versucht, möglichst viele Kinder und Veteranen aufzunehmen.

Der Blick in die Klassen, Berufsbildungsgruppen und die Rehabilitation ist ein Blitzlicht der alltäglichen Arbeit hier.

Im Anschluss an den Rundgang folgt im Verwaltungsgebäude der Arbeits- und Finanzbericht von Direktor Dung, nachfolgend zusammengefasst die wichtigsten Punkte:

  • In den letzten drei Jahren wurden bis zu 160 Kinder, Jugendliche und Veteranen zur gleichen Zeit im Dorf versorgt. Aufgrund der Inflation und gestiegener Lebensmittelkosten werden pro Person pro Tag 35 000 bzw. 40 000 Vietnamesische Dong benötigt; das entspricht 1,31 bzw 1,40 Euro. Jährlich konnten 3 bis 3,5 Tonnen Biogemüse geerntet werden. Mit Unterstützung durch das amerikanische Komitee konnte nach der Überschwemmung das Gewächshaus wieder aufgebaut werden.
  • "Zusätzlich zur Sorge für das körperliche Leben der Bewohner werden die spirituellen Bedürfnisse der Kinder und Veteranen in Form der verschiedenen Feste wie Internationaler Kindertag, August-Mitte-Fest, Weihnachten und Neujahr gefeiert". Studentenclubs, die regelmäßig auch an den Wochenenden mit den Jugendlichen spielen, singen und tanzen, organisieren diese Feiern.
  • Das Frühberatungszentrum konnte 160 Familien mit Kindern mit geistigen oder körperlichen Behinderungen helfen und hielt zudem Trainingskurse in umliegenden Provinzen ab. Mit einer neu erteilten Genehmigung kann die Klinik nun auch von Patienten der umliegenden Region genutzt werden. Die geringe Gebühr, die von ihnen erhoben wird, fließt in die Ausstattung der Klinik.
  • Zehn Mitarbeiter/innen des Dorfes nahmen an Fortbildungen teil.
  • Für die Jugendlichen, die in den Berufsbildungsklassen arbeiten, wird Geld auf der Bank angelegt.
  • In den vergangenen 3 Jahren besuchten fast 2000 Menschen aus 35 Ländern das Dorf.
  • Mit Hilfe des vietnamesischen Veteranenverbands und des internationalen Komitees konnten die akuten Flutschäden rasch behoben werden.
  • Die biologische Kläranlage wurde fertiggestellt.

Der Nachmittag beginnt mit einer Schweigeminute für all die Freunde und Unterstützer des Dorfes, die nicht mehr am Leben sind. Im letzten Jahr ist Don Flaxman vom US Komitee gestorben; David Rocovits erinnert in einer kurzen Ansprache an Dons Engagement.

Danach berichten die VertreterInnen der nationalen Komitees von den Aktivitäten in ihren Ländern.

 


Austausch, Begegnung, Zusammenarbeit

 

Im Anschluss daran erarbeiten wir gemeinsam die wesentlichen Eckpunkte der Planung für die kommenden zwei Jahre:

 

Versorgung

Nach den abgeschlossenen Bauarbeiten sollen bis zu 60 Veteranen aufgenommen werden, während die Zahl der Jugendlichen konstant bei 120 bleiben soll.

 


Begegnung mit den Veteranen des Dorfes

 

Gesundheit
  • Die Kombination von östlicher und westlicher Medizin und ein hoher Hygienestandard zur Verhinderung von Krankheiten sollen weiterhin Priorität haben.
  • Die Zusammenarbeit mit örtlichen Krankenhäusern und die Fortbildung des Personals werden gefördert.
  • Die Arbeit der Frühberatungsstelle soll weiter bekannt gemacht; Trainingskurse sollen gehalten werden.
  • Die Klinik wird weiterhin für die Untersuchung und Behandlung von externen Patienten genutzt.

 

Sonderpädagogik und Berufsausbildung

Die fünf sonderpädagogischen Klassen werden weitergeführt, zusätzlich soll es eine Klasse für Jugendliche mit Hörschädigungen geben. Ausbildung und Unterricht in Gebärdensprache werden organisiert. Der Austausch mit anderen sonderpädagogischen Einrichtungen wird verstärkt; künstlerisches Arbeiten wird gefördert.

 


Die Jugendlichen in der Näherei stellen Kleidung für die Dorfbewohner her

 

Die Berufsbildungsklassen (Näherei, Stickerei, Blumenherstellung, Computer) werden weitergeführt. Zusätzlich können Jugendliche, die entsprechende Fähigkeiten haben, das Berufsbildungszentrum des Veteranenverbands besuchen, um dort z.B. Elektrik, Computerreparaturen oder das Friseurhandwerk zu lernen.

 


Es fällt auf, wie viele Fortschritte die Jugendlichen in der Stickerei gemacht haben

 

Fortbildungen

Fortbildungen der MitarbeiterInnen des Dorfes werden gefördert; die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes nach Ende der Fortbildung wird gewährleistet.

 

Finanzen

Für die nächsten zwei Jahre werden voraussichtlich 703 640 $ (517 002 Euro) benötigt. Zieht man davon das momentan vorhandene Geld aus direkten Spenden im Dorf und dem Plus aus der sparsamen Verwendung in Höhe von 83 640 $ (64 018 Euro) ab, werden 474 550 Euro für laufende Kosten sowie 60 466 Euro für die Aufstockung des Schulgebäudes benötigt, so dass alle Klassen in einem Gebäude unterrichtet werden können. Der vietnamesische Veteranenverband übernimmt davon mehr als die Hälfte. Das internationale Komitee sollte in den nächsten beiden Jahren 222 630 Euro für die laufenden Kosten sowie 27 185 Euro als Anteil für das Schulgebäude aufbringen.

 

MitarbeiterInnen

Die Finanzierung der bisher vom deutschen Komitee getragenen Stellen einiger Physiotherapeuten, Hausmütter und Lehrerinnen wird jetzt vom Staat übernommen, d.h. alle 60 MitarbeiterInnen werden von Vietnam finanziert.

 

Sonstiges

Bis Ende 2011 sollen folgende Bauprojekte abgeschlossen sein: Bau eines dreistöckigen und von drei zweistöckigen Häusern, Reparatur von Haus G 2, Anhebung der Wege (um Flutschäden vorzubeugen), Wiederaufbau der Zäune hinter dem Dorf, Anlage eines Blumengartens vor der Klinik, Aufstockung des Schulgebäudes in 2012.

Auf Anfrage des Internationalen Komitees wird eine Liste kleinerer Projekte und ihrer Kosten zusammengestellt für Spender, die gezielt spezielle Vorhaben unterstützen möchten.

Nach dem Abendessen läuft auf dem großen Dorfplatz Festvorbereitung Scheinwerfer und Musikanlage werden aufgebaut, Kinder, MitarbeiterInnen und Veteranen finden sich ein und kurze Zeit später gibt es ein buntes Programm, gestaltet von den Lehrerinnen und Physiotherapeuten des Dorfes und der Künstlergruppe des Veteranenverbandes. Selbstbewusst und mit ansteckender Freude bewegen sich die Vortragenden auf der Bühne.

 


Beeindruckt erleben wir die behinderten Jugendlichen des Dorfes in gemeinsamen Tanzvorführungen mit der Künstlergruppe...und sie sind zurecht glücklich und stolz!