Beitragsseiten

Liebe Freundinnen und Freunde des Dorfs der Freundschaft in Vietnam,

Herr Direktor Long schreibt in seinem letzten Vierteljahresbericht, dass auch Vietnam von einer zweiten Welle der Covid-19-Pandemie getroffen wurde. Das Dorf der Freundschaft arbeitet mit verschiedenen medizinischen Einrichtungen zusammen, um die Vorsorge zu stärken. Trotz der Corona-Situation werden Fortbildungen organisiert, die das Fachwissen der Mitarbeitenden erweitern, so z.B. in Zusammenarbeit mit dem Psychiatrischen Institut in Hanoi zur „Diagnose und Behandlung von psychischen Erkrankungen und Leitlinien zur medikamentösen Behandlung“ und eine Weiterbildung für Lehrkräfte, Hausmütter und PhysiotherapeutInnen zum Thema „Sensorische Dysfunktion bei autistischen Kindern“.

Der Veteranenverband, unsere Partnerorganisation in Vietnam, hat zum 1. August das Verpflegungsbudget von 50.000 auf 55.000 Vietnamesische Dong erhöht (das sind 2,03 Euro beim Wechselkurs vom 5.11.2020). Damit kann die Qualität der Mahlzeiten weiter verbessert werden.

Besuche von internationalen Delegationen und die Freiwilligenarbeit sind coronabedingt nicht möglich. 100 einheimische Besucher in 17 Delegationen waren zu unterschiedlichen Zeiten in der zweiten Jahreshälfte im Dorf der Freundschaft zu Gast. Wir sind froh und dankbar, dass die Arbeit für die Kinder und Jugendlichen mit Behinderungen und die Kriegsveteranen im Dorf der Freundschaft weitergeht. Wir sind beeindruckt von der Sorgfalt und dem Verantwortungsbewusstsein, mit dem unsere vietnamesischen Partner mit dieser schwierigen Situation umgehen. Die Grenzen zu Vietnam sind noch geschlossen und unser Internationaler Arbeitstermin nächstes Jahr steht noch in den Sternen. Aber wir hoffen sehr, dass sich die Pandemiesituation langfristig wieder so weit entschärft, dass möglich wird, was wir uns alle wünschen: einander - auch international - wieder begegnen zu können.

Wir wünschen Ihnen eine gute Advents- und Weihnachtszeit und danken Ihnen sehr für alle Unterstützung und Hilfe für das Dorf der Freundschaft in Vietnam.

In Frieden und Freundschaft

Rosemarie Höhn-Mizo und der Vorstand des Vereins „Dorf der Freundschaft in Vietnam e.V.“

 

Dieser Rundbrief kann hier als PDF-Datei heruntergeladen werden.


 

Bericht über ein Nachsorgeprojekt

Lieber Herr Stephen, Präsident des US- Komitees, ich heiße Nguyen Thi Hong und lebe in der Provinz Thanh Hoa. Mein Vater hat an der Truong Son-Straße gekämpft. Als eine von fünf Töchtern bin ich durch die Spätfolgen von Agent Orange schwer behindert. Ich wurde wegen meines Äußeren oft gehänselt, was mich sehr traurig machte.

Ich habe jedoch einige gute Freunde, die mir in meinem Leben helfen. Im Oktober 2014 wurde ich durch das Bemühen des Dorfs der Freundschaft dort aufgenommen. Ich lernte lebenspraktische Dinge und war fleißig und voller Ehrgeiz, um mich auf eine Wiedereingliederung zu Hause vorzubereiten. Aufgrund meiner schwierigen Familiensituation (meine Mutter hatte einen Schlaganfall) musste ich das Dorf der Freundschaft verlassen, um nach Hause zurückzukehren und meiner Mutter und meiner Familie zu helfen. Ich begann, in der  kleinen Shrimpzucht meiner Familie mitzuarbeiten. Dabei muss man genaue Vorgehensweisen befolgen wie das Schlammabsaugen, das Desinfizieren des Teiches und andere Schritte; auch die Hygienevorschriften sind zu beachten. Ich habe dort viel Erfahrung gesammelt und wünschte mir ein größeres Shrimpzucht-Projekt, um meiner Familie zu helfen. Ich wusste vom George Mizo-Stipendium und schrieb an das Dorf der Freundschaft, um das US-Komitee um Hilfe zu bitten. Als ich schließlich die Unterstützung des US-Komitees erhielt, war ich sehr glücklich. Dieses größere Shrimpzucht-Projekt wird meiner Familie wirtschaftlich helfen und dazu beitragen, viele Schwierigkeiten in meinem und im Leben meiner Familie zu bewältigen. Ich werde viele wichtige Fertigkeiten lernen.

Im Namen meiner Familie möchte ich Mr President Stephen, dem US-Komitee und dem Dorf der Freundschaft meinen tiefen Dank aussprechen für die Hilfe bei der Finanzierung unserer Shrimpzucht. Ich verspreche, dieses Projekt mit guten Ergebnissen auszuführen.

Nguyen Thi Hong

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Das Dorf der Freundschaft unterstützt Rechtsverfahren in Frankreich

Seit sechs Jahren führt die 78-jährige Journalistin Tran To Nga einen Rechtsstreit gegen amerikanische Chemiefirmen, die während des Vietnamkrieges Tonnen von chemischen Produkten an die amerikanische Armee geliefert haben. Eines dieser Produkte war „Agent Orange“, ein Entlaubungsgift, das eine menschliche und ökologische Katastrophe ausgelöst hat und dessen Spätfolgen bis heute andauern. Auch Tran To Nga selbst und ihre Nachkommen haben dadurch bleibende gesundheitliche Beeinträchtigungen erlitten.

In den USA haben es die Chemiekonzerne vorgezogen, den durch „Agent Orange“ geschädigten Soldaten Entschädigungen zu zahlen, um so einem Prozess zu entgehen und eine Anerkennung ihrer Verantwortlichkeit zu vermeiden. Dagegen ist es in Frankreich möglich, ein Rechtsverfahren gegen die Konzerne zu führen. Deshalb hat Tran To Nga sich entschieden, gegen 26 Chemiefirmen zu klagen. Unterstützt wird sie dabei von zahlreichen Gruppierungen wie z.B. „Stopp Monsanto-Bayer“, „Vietnam Dioxin“, der „Französisch-Vietnamesischen Freundschaftsgesellschaft“ sowie dem Internationalen Komitee des „Dorfs der Freundschaft“.

Die Hauptverhandlung wird am 25. Januar 2021 vor dem Landgericht von Èvry stattfinden.

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Frau Tran To Nga mit ihrem Buch “Mein vergiftetes Land”


 

Eine Liebesgeschichte

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Nguyen Quang Thai wurde mit einer schweren Fehlbildung der Wirbelsäule geboren. Nach vier Jahren im Dorf der Freundschaft, in denen er medizinische und physiotherapeutische Behandlung erhielt, begann er eine Ausbildung zum „Doctor’s Assistant“. Seit 2016 ist er als Arztassistent festangestellter Mitarbeiter im Dorf der Freundschaft. Nachfolgend ein Brief von ihm:

Ich habe meine Frau an einem Tag getroffen, als ich einen persönlichen Tiefpunkt hatte! Nachdem ich mit einem Kollegen ausgegangen war, haben wir uns zu den Wohnhäusern im Dorf der Freundschaft begeben, um ein paar Bewohner zu treffen.

Zufälligerweise traf ich dort ein Mädchen. Ich erfuhr, dass sie bereits seit zwei Monaten im Dorf arbeitete. Mit Blick auf meine Beeinträchtigung hätte ich aber nie damit gerechnet, dass sie - eine so gesunde und starke Frau - meine Partnerin werden könnte. Bei der ersten persönlichen Begegnung haben wir uns nicht getraut, miteinander zu reden. Aber danach fingen wir an, miteinander zu telefonieren und uns zu schreiben; jeden Tag ein bisschen mehr, so dass ich gar nicht mehr genau sagen kann, wann unsere Liebe genau begann - sie wuchs mit jedem Tag.

Als meine Frau mich ihren Eltern vorstellte, hat sich ihre Mutter gegen unsere Beziehung gestellt. Aber nach vielen Gesprächen und unendlicher Überzeugungsarbeit durch meine Frau kam es schließlich doch zu unserer Hochzeit. Ich bin überglücklich, weil meine Frau nun auch ein Kind erwartet. Es war immer ein Traum, Vater zu werden. Und nun wird der Traum wahr. Unsere wirtschaftliche  Situation ist nicht gut, aber alles was wir brauchen ist der Segen Gottes, Gesundheit und Stärke!

9.10.2020, Thái


 

Ein kleiner Weihnachtsgruß

Postkarte Beilage 2020

Einer unserer Unterstützer, Michael Scherbeck, hat uns einige Fotos zur Verfügung gestellt, die bei seinem Besuch im Dorf der Freundschaft entstanden sind. Das Portrait zeigt Ms Bui Thi Hoa,

eine Dorfbewohnerin, die inzwischen als Assistenzlehrerin in der Schneidereiklasse arbeitet. Eine Postkarte mit diesem Motiv liegt dem gedruckten Rundbrief bei. Falls Sie unseren Rundbrief per E-Mail erhalten oder auf unserer Website lesen, können Sie diese und weitere Postkarten gerne bei uns bestellen. Mit dem Versand der Karte können Sie in diesen kontaktbeschränkten Zeiten vielleicht jemandem eine Freude bereiten - und so dazu beitragen, dass unsere Arbeit für das Dorf der Freundschaft noch bekannter wird. Herzlichen Dank.

Anmerkung zur Website: die Postkarte liegt der gedruckten Version des Rundbriefs bei. Auf Anfrage schicken wir sie Ihnen gerne zu.


 

Neuer Termin für die Mitgliederversammlung

An dieser Stelle noch der Hinweis auf den neuen Termin für die Mitgliederversammlung. Diese findet am 1.5.2021 um

14.00 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum in Freudental statt.

 

Fotos: Dorf der Freundschaft / Villejuif Notre Ville, Nguyen Thi Hong, Nguyen Quang Thái